Psychotherapie Grundlagen

A. Psychotherapie Grundlagen – Psychopathologie, Anamnese, Diagnosestellung

1. Definitionen

Psychotherapie Grundlagen: Psychologie ist eine empirische Wissenschaft. Sie beschreibt und erklärt das Erleben und Verhalten des Menschen, seine Entwicklung im Laufe des Lebens und alle dafür maßgeblichen inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen.

Der Begriff stammt aus dem Griechischen, vom ursprünglichen Sinn von Psyche nach Atemkunde oder Lebenslehre, üblicherweise jedoch mit „Seelenkunde“ wiedergegeben, im Englischen dagegen „study of the mind“.

Klinische Psychologie ist diejenige Teildisziplin der Psychologie, die biologische, soziale, entwicklungs- und verhaltensbezogene sowie kognitive und emotionale Grundlagen psychischer Störungen, sowie Auswirkungen dieser Störungen und anderer Erkrankungen (z. B. neurologische Störungen, Krebs, chronische Herzleiden) auf das Erleben und Verhalten wissenschaftlich untersucht. Sie setzt sich zusammen aus Teilbereichen wie

  • Prävention (Vorbeugung)
  • Diagnostik (Feststellung des psychischen und körperlichen Zustandes)
  • Psychotherapie (Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie)
  • Rehabilitation (Wiedereingliederung)

Psychiatrie ist das dazugehörige Anwendungsgebiet und Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Systematik (Einordnung), den Ursachen, den Verlaufsformen und der Behandlung psychiatrischer Krankheiten befasst.

Psychotherapie ist der Sammelbegriff für verschiedene Methoden die zur Behandlung psychischer und körperlicher Erkrankungen (mit vorwiegend psychischer Ursache) eingesetzt werden. Die Behandlung geschieht mit Hilfe zwischenmenschlicher Kommunikation und bildet damit eine wesentliche Säule der Grundlagen der Psychotherapie.

Die angewandten Therapieverfahren sowie deren theoretische Grundlagen sind teilweise sehr verschieden.

Psychotherapeutische Verfahren können neben Einzelpersonen auch gleichzeitig mit mehreren Personen durchgeführt werden (Familientherapie, Paartherapie, Gruppentherapie).

Psychopathologie ist die Systemexploration auf psychologischer Ebene im Hier und Jetzt.  Sie ist die Lehre von den krankhaften Veränderungen des Seelenlebens. Die Psychopathologie ist demnach ein Teilbereich der Psychiatrie und beschäftigt sich mit den Formen eines (krankhaft) veränderten Gefühls- bzw. Seelenlebens. Hierbei geht es um das Studium der Ursachen und Prozesse in der Entwicklung psychischer Erkrankungen und die Beschreibung ihrer Symptome bzw. Erscheinungsweisen.

Psychopharmakotherapie beinhaltet dieBehandlung seelischer Störungen durch Medikamente.

Psychosomatik ist die Lehre von den Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche, die die Entstehung von Krankheiten und deren Verlauf beeinflussen und stellt eine wesentliche Säule der Grundlagen der Psychotherapie dar.

Psychose bedeutet eine schwere Geistesstörung, die mit starken Störungen der kognitiven und emotionalen Prozesse einhergeht (Wahnvorstellungen).

Neurose ist eine psychische Störung, für die keine organischen Ursachen vorliegen und die auf unbewusste, ungelöste Konflikte zurückzuführen ist.

Epidemiologie ist die systematische Untersuchung der Verteilung von Krankheiten und psychischen Störungen. 

Diagnose ist das Erkennen und Benennen von Erkrankungen innerhalb eines Systems von Krankheitsnamen (ICD-10 im psychischen Bereich).

Eine vollständige und umfassende Diagnosestellung umfasst immer die folgenden vier Ebenen:

  • Symptomebene (darunter versteht man psychopathologische Einzelmerkmale in Form von Störungen des Gedächtnisses, des Denkens, des Affektes, des Antriebs, der Orientierung, der Wahrnehmung etc.).
  • Syndromebene (die Summe mehrerer Symptome werden zu einem Syndrom zusammengefasst, haben aber noch keine Aussagekraft bezüglich der Verursachung bzw. Ätiologie).
  • Ätiologische Ebene (hier wird die Entstehungsgeschichte (Ätiologie) des Syndroms (aller Symptome) mit in die Diagnose einbezogen.
  • Nosologische Ebene (hier wird das diagnostizierte Krankheitsbild gemäß ICD-10 einer psychischen Störung (F0 – F9) zugeordnet

ICD-10 ist die internationale Klassifikation von Krankheiten gemäß der WHO (F0 – F9). In den USA erfolgt die Klassifizierung psychischer Erkrankungen gemäß DSM-IV.

Die Einteilung psychiatrischer Erkrankungen erfolgte früher nach dem triadischen System (nach wie vor Prüfungsrelevant):

  • Exogene Störungen („von außen“ verursachte psychische Störungen wie z.B. durch Einnahme von Drogen, einem Schädel-Hirn-Trauma o.ä.).
  • Endogene Störungen („von innen“ verursachte psychische Störung wie z.B. durch biologische Faktoren – also genetische Faktoren (Vererbung) oder Störung des Hirnstoffwechsels)
  • Psychogene Störungen (durch „die Psyche“ verursacht wie z.B. aktuelle oder vergangene belastende Lebensumstände, Konflikte o.ä.). Heute spricht man von multifaktorieller Genese.

Anamnese ist die „Abfrage“ der Krankheitsgeschichte, Vorgeschichte sowie der psychosozialen Situation (Probleme/Konflikte im familiären, sozialen, finanziellen und beruflichen Bereich) eines Patienten.

Folgende Arten der Anamnese werden unterschieden:

  • Eigenanamnese: ist die Befragung des Patienten nach seiner eigenen Krankengeschichte (Frühere körperliche und psychische Erkrankungen sowie der Verlauf, Behandlungsmethoden und die Heilungserfolge). Der Betroffene schildert seine persönliche Wahrnehmung der Situation, was Vor- und Nachteile hat: Der Patient selbst ist der Einzige, der wissen kann, was in ihm vorgeht, weshalb seine Aussagen unersetzlich sind. Andererseits sind Selbstauskünfte meist sehr subjektiv und geprägt von Vorstellungen darüber, wie Dinge sein sollen, selbst wenn diese Vorstellungen völlig unrealistisch sind. Die Aussagen eines Patienten über sich selbst sind daher nur solange vertrauenswürdig, wie keine triftigen Gründe dafür vorliegen, an den Darstellungen zu zweifeln.
  • Familienanamnese: zur Krankengeschichte des Patienten gehört auch die Familienanamnese, bei der Informationen über die Verwandten eines Patienten eingeholt werden. Besonders wesentlich sind diese Informationen im Hinblick auf möglicherweise vorliegende Erbkrankheiten, beziehungsweise Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen, wie sie beispielsweise das gehäufte Auftreten von Tumoren, Allergien, Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychischen Störungen nahelegen. Aber auch die psychosoziale Struktur der Eltern, die familiären Belastungsfaktoren, eventuelle psychische Auffälligkeiten in der Familie/Verwandtschaft, der Erziehungsstil der Eltern, das Familienmilieu und die Familiengröße sind maßgeblich Inhalt der Befragung.
  • Fremdanamnese: entsteht im Gegensatz zur Eigenanamnese aus der Befragung von Personen aus dem Umfeld eines Patienten. Sie kann wichtige Zusatzinformationen zutage fördern, da Außenstehenden oftmals Dinge auffallen, die der Patient selbst nicht sehen kann oder nicht sehen will. Bei Personen, die sich nicht ausreichend verständigen können, ist sie oft einziges Mittel, um Informationen zur Krankengeschichte zu erhalten. Beispiele dafür sind kleine Kinder, alte Menschen, bewusstseinsgestörte, geistig verwirrte und durch eine ausgeprägte tiefgreifende Entwicklungsstörung beeinträchtigte Patienten. Von entscheidender Bedeutung ist die Fremdanamnese zudem bezüglich Informationen, die der Patient selbst nicht wahrnehmen kann, weil sie beispielsweise nur während des Schlafs auftreten).
  • Sozialanamnese: dient der Erfassung der sozialen Strukturen des Patienten. Sie beinhaltet unter anderem den Familienstatus, den Beruf sowie die Religionszugehörigkeit.
  • Persönlichkeitsanamnese: dient der Erfassung typischer Verhaltensmuster, Erlebnisweisen, Wertvorstellungen, Einstellungen sowie der Erfassung bezüglich des Umgangs mit Wünschen/Bedürfnissen und Gefühlen.

2. Allgemeine Psychopathologie

Während Pathologie (Pathologische Anatomie) die körperlichen Aspekte von Kranksein und Krankheit untersucht, befasst sich die Psychopathologie mit deren psychischen Bedingungen. Da Psychopathologie auch die körperlichen Auswirkungen auf seelisches Befinden umfasst, ist eines ihrer Hauptprobleme die psychophysische Korrelation, d.h. der Zusammenhang von körperlicher und seelischer Auffälligkeit.

Um überhaupt erst einmal eine Diagnose zu stellen ist es wichtig, herauszufinden welche Bereiche der Psyche (Elementarfunktionen) gestört sind.

Der psychopathologische Befund soll somit ein Bild vom aktuellen psychischen Zustand des Patienten geben. Die psychopathologischen Symptome (Krankheitszeichen) und Syndrome (Komplex von Krankheitszeichen) bilden ein wichtiges Instrumentarium für die psychiatrisch bzw. psychologische Diagnostik.

Im nachfolgenden finden Sie die wichtigsten psychopathologischen Symptome:

a.)  Bewusstseinsstörungen (Viglianzstörungen)

b.)  Orientierungsstörungen

c.)   Auffassungs-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

d.)  Denkstörungen (formale und inhaltliche)

e.)  Befürchtungen, Zwänge, Phobien, Ängste

f.)    Wahrnehmungsstörungen, Sinnestäuschungen und Halluzinationen

g.)  Ich-Störungen

h.)  Störungen der Affektivität

i.)    Antriebs- und psychomotorische Störungen

j.)    Intelligenzstörungen und Kontaktstörungen

k.)   Spezielle Syndrome

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