Psychotherapie: Paartherapie

Paartherapie

Psychotherapie: Paartherapie als eine der wichtigsten Therapieformen im Bereich der interkommunikativen Verfahren. Sie hilft dabei, festgefahrene Kommunikationsmuster untereinander zu erkennen und zu verändern. Ziel ist es, sich über eigene Wünsche und über die des Partners klar zu werden, Enttäuschungen und Ängste offen anzusprechen, unangemessene Erwartungen an die Partnerschaft zu erkennen und Missverständnisse und Vorurteile auszuräumen.

Beziehungen werden von jedem Menschen auf seine eigene und persönliche Weise erlebt. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen an sich und den Partner. Geprägt wird diese Erwartungshaltung durch die ersten Lebensjahre, in denen sich unser Bindungsmuster entwickelt. Dabei spielen unsere Eltern eine sehr wichtige Rolle – als Vorbild nehmen wir die Ehe der Eltern als „Maß aller Dinge“ an und führen später unsere Beziehungen in einem ähnlichen Verhaltensmuster. Aber auch unsere eigenen Erfahrungen bezüglich der ersten großen Liebe und der ersten Trennung sowie die gesellschaftlichen Veränderungen in der Gegenwart haben einen enormen Einfluß auf unsere „Beziehungsfähigkeit“.

Wenn die Bedürfnisse, Gefühle, Werte und Ziele beider Partner ausgewogen sind, dann erleben wir eine befriedigende und harmonische Beziehung. Aber wie erreichen wir diese Wunschkonstellation? Die Grundvoraussetzung für zwei Menschen, die sich als Paar verstehen wollen, ist und bleibt eine einheitliche Sinn- und Kommunikationsgemeinschaft. Was dazu alles gehört, erarbeiten sich beide Partner in der Verliebtheits- und Findungsphase. Der Reiz des ersten und fortgesetzten Begehrens, der über die Dauer einer langlebigen Beziehungen leider oft erlischt, liegt darin, dass beide herausbekommen müssen, welche ihrer persönlichen Facetten miteinander harmonieren bzw. wo Unterschiedlichkeiten bestehen. Gerade im Anfangsstadium einer Beziehung – der Entstehungsphase – ist jede verbale und nonverbale Begegnung eine Erkundung und ein ungewisser Balanceakt zwischen Sicherheit und Unsicherheit. Man ist bemüht, sich so gegenüber dem Partner zu verhalten, damit jeder im anderen dessen Einzigartigkeit erleben und wahrnehmen kann. Man möchte dem anderen gefallen und nichts falsch machen. Hier gilt es jedoch sorgsam darauf zu achten, sich nicht zu verbiegen um dem Partner zu gefallen und dadurch in Verhaltensmuster zu fallen, die man über die Entstehungsphase der Beziehung hinaus nicht halten kann.

Frau Dipl.- Psych. Andrea Richter vom Institut für psychotherapeutische Informationen schreibt hierzu : „Die Phase des Verliebtseins lebt von einer wechselseitig signalisiert bzw. ausgesprochenen Wertschätzung. Alle Unterschiede werden als bereichernde Ergänzung erlebt. Es gibt jedoch Phasen in einer Partnerschaft, in denen die Beziehung unbefriedigend ist und Sprachlosigkeit einkehrt. Häufig merken gerade Männer erst spät, wenn der Kontakt zueinander verloren geht. Frauen leiden meist offensichtlicher an der eingefahrenen Beziehung und bringen ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck. Nicht selten verlieren wir uns dann in gegenseitigen Vorwürfen und Unverständnis. Die unterschiedlichen Ziele und Bedürfnisse scheinen unvereinbar. Frustration und Verzweiflung werden Teil des Beziehungsalltags ein. Alle möglichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten, räumliche und emotionale Nähe und Distanz, gefühlte Spannung und ersehnte Harmonie im erwünschten Gleichgewicht zu halten, ist ein fortdauernder Prozess, der mit Irritationen und Konflikten verbunden ist. Diese Konflikte und Krisen bieten aber auch die Chance einer Klärung und Veränderung, um unterschiedlichen Zielen und Vorstellungen gerechter zu werden. Dies alles kann der Anfang vom Ende der Paarbeziehung oder die Chance für Klärung und einen Neuanfang sein“.

 

Wann ist eine Paartherapie ratsam?

In der Idealbeziehung existieren Muster des „Stillstandes“ oder „Festgefahrensein“ nicht. Sicherlich ist es schwer, das Feuer und Engagement, von dem eine Beziehung zehrt, über die Jahre stets im Zenit zu halten. Negative Verhaltensweisen wie unausgesprochene Spannungen und Konflikte, Schweigen oder Streit, Verweigerung körperlicher Nähe bis hin zum sexuellen Entzug haben in einer harmonischen Beziehung wenig Platz. Wenn die Gedanken bereits um das Thema Trennung, Besitzaufteilung und Scheidungsanwalt kreisen, oder wenn es beispielsweise keine gemeinsame Lösung für den unerfüllten Kinderwunsch eines Partners zu geben scheint oder der Wunsch nach mehr Nähe, Intensität und Gemeinsamkeit besteht – dann mag es sinnvoll sein, sich einen geeigneten Paartherapeuten/in zu suchen.

Eine Paartherapie bietet professionelle Hilfe, wenn der Alltag von Streit und Konflikten bestimmt werden oder sich ein Partner eingeengt, kontrolliert, abgelehnt oder betrogen fühlt, wenn Sex und körperliche Zärtlichkeit kaum noch stattfinden oder durch äußere Umstände (wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Zeitmangel) Probleme in der Beziehung entstehen, wenn kulturelle Unterschiede Spannungen erzeugen bzw. dann, wenn die Beziehung und Liebe zueinander wieder intensiver werden sollen.

Manchmal fehlt der Mut, bestimmte Anliegen und Wünsche offen anzusprechen. Oder der ergebnislose Versuch, bestehende Konflikte gemeinsam zu klären, führte dazu, dass geschwiegen, statt konstruktiv gestritten wird. Eine Beratung oder Therapie ist dann sinnvoll, wenn beide Beziehungspartner an ihrer Beziehung leiden und gleichzeitig den Willen zur Verbesserung ihrer Beziehung haben.

 

Ablauf einer Paartherapie

Zu Beginn einer Paartherapie wird in einem Einzelgespräch (ohne den Partner) erörtert, was dem jeweiligen Partner in der Bezihung fehlt. Hier kommen unerfüllten Wünsche, nicht erreichte Ziele sowie Erwartungshaltungen gegenüber dem Partner zu Sprache. Da in den meißten Fällen die mangelnde Kommunikationsfähigkeit (sprich: die Fähigkeit, dem Partner in einer sachlichen, agressionslosen und verständlichen Art und Weise die Mißstände zu vermitteln) die Hauptursache für Fehlinterpretationen und Fehlverhalten ist, übernimmt der Paartherapeut als neutraler Vermittler die Aufgabe der „Übersetzung“, um Defizite sehr schnell aufzudecken.

Das Ziel der Paartherapie besteht darin, es beiden Partner zu ermöglichen, die Angst vor der Mitteilung des eigenen Erlebens abzubauen, damit es so zu einer Offenbarung eigener Hoffnungen, Wünsche und auch von erfahrenen Enttäuschungen kommt. Die Länge der Paartherapie richtet sich nach der Schwere der Beziehungsprobleme und den Zielen. Manchmal reicht eine Paarberatung zur Orientierung. Manchmal braucht der Klärungsprozess einen Monat oder auch länger.